Marktberichte

KUPFER

Aktualisierung: 27.08.2026


Kurse vom 2644.08.2026:

High  $    14.437,00 // Low  $   14.219,00 // Close  $     14.232,50

Resistance  $    14.500,00 //  Support  $   13.350,00


Bestände:

LME: 237.475t // SHFE: 89.548t // Comex: 747.039t


Kupfer erreicht fast Rekordniveau – US-Lageraufbau verschärft die Knappheit außerhalb Amerikas

Der Kupfermarkt bleibt von extremen regionalen Verschiebungen geprägt. Nachdem der LME-Dreimonatskontrakt am Mittwoch mit 14.437,00 US-Dollar je Tonne erneut einen Tageshöchstkurs nahe am Allzeithoch bei 14.527,50 US-Dollar erreicht hatte, liegen wir heute etwas darunter. Gewinnmitnahmen, ein stärkerer US-Dollar und eine leichte Entspannung der zuvor extrem angespannten Terminstruktur ließ die Notierungen leicht fallen. Mit zuletzt rund 14.250 US-Dollar je Tonne bewegt sich Kupfer dennoch nur knapp unter seinen Rekordständen. Bemerkenswert ist dabei weniger die absolute Menge des weltweit verfügbaren Metalls als dessen Verteilung: Während sich in den USA inzwischen Rekordbestände aufgebaut haben, bleibt kurzfristig verfügbares Kupfer an der LME weiterhin knapp.


US-Zollpolitik zieht Kupfer weiter über den Atlantik

Der zentrale Treiber dieser ungewöhnlichen Marktstruktur bleibt die amerikanische Handelspolitik. Die weiterhin offene Frage möglicher US-Zölle auf raffiniertes Kupfer hält die Preisdifferenz zwischen COMEX und LME groß genug, um Metall in die Vereinigten Staaten zu ziehen. Der September-Kontrakt an der COMEX erreichte am Mittwoch zeitweise umgerechnet knapp 14.940 US-Dollar je Tonne und damit ein neues Rekordhoch.


Inzwischen lagern mehr als 740.000 Tonnen Kupfer in COMEX-Beständen. Diese sind 46 Handelstage in Folge gestiegen und befinden sich auf einem Rekordniveau. Gleichzeitig geht der Abfluss aus dem LME-System weiter. Zu Wochenbeginn wurden allein für mehr als 50.000 Tonnen neue Auslagerungsaufträge erteilt.


Das Resultat ist ein zunehmend zweigeteilter Markt. In den USA entsteht ein außergewöhnlich großer Metallbestand, während andernorts die kurzfristige Verfügbarkeit abnimmt. Die COMEX notierte zeitweise rund 550 US-Dollar je Tonne beziehungsweise knapp vier Prozent oberhalb der LME. Solange diese Arbitrage nach Berücksichtigung von Transport-, Finanzierungs- und Lagerkosten attraktiv bleibt, besteht für Händler ein Anreiz, weiteres Metall in Richtung USA zu bewegen.


Genau darin liegt derzeit eines der größten Risiken für den Weltmarkt. Die global vorhandene Kupfermenge ist nicht zwingend zu gering – ein wachsender Teil davon befindet sich lediglich dort, wo er außerhalb der USA kurzfristig nicht mehr zur Verfügung steht. Eine Entscheidung Washingtons über die Kupferzölle könnte diesen Mechanismus verändern. Bis dahin dürfte die Unsicherheit jedoch dafür sorgen, dass die USA weiterhin Metall anziehen.


LME-Squeeze entspannt sich – die Knappheit bleibt

Die extreme Anspannung am Londoner Markt hat sich gegenüber der vergangenen Woche zwar reduziert. Der Aufschlag von sofort verfügbarem Kupfer gegenüber dem Dreimonatskontrakt war während des jüngsten Squeeze zeitweise auf mehr als 500 US-Dollar je Tonne gestiegen. Zuletzt hatte sich diese Differenz deutlich verringert.


Von einer Normalisierung kann dennoch kaum gesprochen werden. Auch bei den unmittelbar bevorstehenden Lieferterminen bleiben deutliche Aufschläge bestehen. Der September-Kontrakt notierte am Mittwoch rund 100 US-Dollar je Tonne über Oktober. Damit signalisiert die Terminstruktur weiterhin eine hohe Zahlungsbereitschaft für kurzfristig verfügbares Metall.


Hinzu kommt, dass spekulative Marktteilnehmer inzwischen eine größere Rolle spielen. Neben klassischen Produzenten, Verbrauchern und Metallhändlern reagieren Hedgefonds und andere Finanzinvestoren zunehmend auf Veränderungen der Lagerbestände und Terminspreads. Bei einem vergleichsweise geringen Handelsvolumen können zusätzliche Käufe deshalb überproportional starke Preisbewegungen auslösen.


Damit bleibt der Markt anfällig in beide Richtungen. Treffen knappe kurzfristige Verfügbarkeit und neue spekulative Käufe zusammen, könnte ein nachhaltiger Ausbruch über die bisherigen Höchststände weitere Käufe auslösen. Umgekehrt hat der Mittwoch gezeigt, wie schnell nach neuen Rekorden Gewinnmitnahmen einsetzen können, sobald sich die physische Anspannung etwas reduziert oder der Dollar aufwertet.


Minenproduktion liefert kaum Entlastung

Die regionale Verschiebung der Lagerbestände wäre weniger problematisch, wenn gleichzeitig ausreichend neues Metall auf den Markt käme. Genau hier bleibt die Situation jedoch angespannt. Nach vorläufigen Daten der International Copper Study Group ist die weltweite Kupferminenproduktion im ersten Halbjahr 2026 um 1,1 Prozent gesunken. Die Konzentratproduktion ging sogar um 2,6 Prozent zurück.


Besonders deutlich waren die Ausfälle in einigen der wichtigsten Förderländer. In Chile sank die Minenproduktion um 6,6 Prozent, unter anderem aufgrund geringerer Förderung bei El Teniente, Escondida und Spence. In Indonesien brach die Konzentratproduktion wegen der weiterhin eingeschränkten Produktion in Grasberg um 32 Prozent ein. Auch in der Demokratischen Republik Kongo belastete die schwächere Produktion der Kamoa-Mine das Angebot. Insgesamt gingen nach Berechnungen von Project Blue im ersten Halbjahr rund 338.000 Tonnen Minenproduktion durch operative Probleme in Indonesien, dem Kongo und Chile verloren.


Auf Ebene des raffinierten Kupfers sieht das Bild zunächst besser aus. Die weltweite Produktion stieg im ersten Halbjahr laut ICSG um etwa 2,4 Prozent, während der Verbrauch um 2,3 Prozent zunahm. Rechnerisch ergab sich daraus ein Überschuss von rund 131.000 Tonnen, unter Berücksichtigung geschätzter Veränderungen chinesischer Bonded Stocks von etwa nur 32.000 Tonnen.


Diese Zahlen zeigen jedoch zugleich das derzeitige Kernproblem des Kupfermarktes: Ein rechnerischer Überschuss bedeutet nicht automatisch eine komfortable Versorgungssituation. Ende Juli lagen an LME, COMEX und SHFE zusammen rund 964.000 Tonnen Kupfer – so viel wie seit 2003 nicht mehr. Gleichzeitig kann es an einzelnen Handelsplätzen zu erheblichen Engpässen kommen, weil zum Beispiel die US-Zollunsicherheit Metallströme künstlich umlenkt. CRU, das ursprünglich einen weltweiten Überschuss von 639.000 Tonnen für 2026 erwartet hatte, betrachtet den Markt inzwischen bestenfalls als ausgeglichen.


Fazit: Viel Kupfer im Lager – aber zunehmend am falschen Ort

Der Kupfermarkt befindet sich in einer ungewöhnlichen Situation. Einerseits sind die globalen Börsenbestände hoch und die ICSG weist für das erste Halbjahr noch einen rechnerischen Angebotsüberschuss aus. Andererseits bleiben die Preise nahe ihren historischen Höchstständen und kurzfristig verfügbares Metall an der LME wird weiterhin mit deutlichen Aufschlägen gehandelt.


Für die metallverarbeitende Industrie ist deshalb derzeit nicht allein die globale Angebotsbilanz entscheidend. Die regionale Verfügbarkeit des Metalls gewinnt erheblich an Bedeutung. Mehr als 740.000 Tonnen in den COMEX-Lagern helfen einem europäischen Verbraucher wenig, wenn gleichzeitig Material aus dem LME-System abgezogen wird und die Beschaffung kurzfristiger Mengen teurer wird.


Hinzu kommen die anhaltenden Probleme auf der Minenseite. Die schwächere Förderung in Chile, Indonesien und dem Kongo reduziert den Puffer, mit dem der Markt die durch die US-Zollpolitik verursachten Verschiebungen auffangen kann. Kurzfristig dürfte deshalb die Entscheidung Washingtons über mögliche Zölle auf raffiniertes Kupfer einer der wichtigsten Preistreiber bleiben. Solange sie aussteht, bleibt der Anreiz bestehen, Metall in die USA zu verschieben – und damit ein Markt, der auf dem Papier ausreichend versorgt erscheint, außerhalb der USA dennoch zunehmend knapp.

Kupfer (in US Dollar/Tonne)

EURO/DOLLAR

Kurse vom 26.08.2026:

High 1,1677 US-Dollar // Low 1,1641 US-Dollar

Resistance 1,2000 // Support 1,0176


Euro behauptet sich – US-Anleihemarkt bleibt Schwachstelle des Dollars

Der Euro bewegt sich gegenüber dem US-Dollar weiterhin weitgehend seitwärts. Aktuell handelt die Gemeinschaftswährung unterhalb von 1,1700 US-Dollar und damit etwas niedriger, ohne dass sich bislang eine klare neue Richtung herausgebildet hat. Hinter der vergleichsweise ruhigen Bewegung stehen allerdings erhebliche Verschiebungen auf beiden Seiten des Atlantiks. Während sich die Europäische Zentralbank zunehmend klar zu einer weiteren Straffung der Geldpolitik positioniert und sich gleichzeitig die deutschen Konjunkturdaten verbessern, bleibt die Lage in den USA komplizierter. Dort treffen eine hartnäckige Inflation, hohe Staatsschulden und ein zunehmend anfälliger Staatsanleihemarkt auf eine Fed, von der die Märkte beim Notenbanktreffen in Jackson Hole Orientierung erwarten.


US-Staatsanleihen werden zum Risikofaktor für den Dollar

Der US-Dollar konnte sich zuletzt wieder etwas stabilisieren. Dazu trug auch die Beruhigung am amerikanischen Staatsanleihemarkt bei, wo insbesondere die Renditen längerer Laufzeiten nachgaben. Normalerweise gilt: Höhere US-Renditen stützen den Dollar, niedrigere Renditen belasten ihn. In den vergangenen Monaten hat dieser Zusammenhang jedoch mehrfach nicht funktioniert.


Ein Grund dafür liegt in der veränderten Käuferstruktur am US-Staatsanleihemarkt. Während bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts insbesondere ausländische Zentralbanken ihre Dollarreserven ausbauten und damit für eine stetige Nachfrage nach US-Staatsanleihen sorgten, spielt inzwischen der private Finanzsektor eine wesentlich größere Rolle. Besonders auffällig ist das Engagement von Hedgefonds. Deren Long-Positionen in US-Staatsanleihen summieren sich inzwischen auf rund 2,4 Billionen US-Dollar und entsprechen damit etwa elf Prozent aller ausstehenden US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr.


Problematisch ist weniger die Größenordnung allein als die Finanzierung dieser Positionen. Viele Hedgefonds nutzen sogenannte Basis-Trades, bei denen Staatsanleihepositionen über den Repo-Markt stark gehebelt werden. Solange die Märkte ruhig bleiben, funktioniert dieses Geschäft. Bei abrupten Kursbewegungen können jedoch Positionen gleichzeitig aufgelöst werden und damit den Verkaufsdruck auf Staatsanleihen zusätzlich verstärken.


Wie sensibel der Markt inzwischen reagiert, zeigte sich nach dem „Liberation Day“ im April 2025. Damals stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen innerhalb weniger Handelstage von unter vier auf knapp 4,5 Prozent. Anders als es der klassische Zusammenhang erwarten ließe, profitierte der Dollar davon nicht – EUR/USD stieg gleichzeitig von etwa 1,0900 auf 1,1300.


Für den Devisenmarkt bedeutet das: Steigende US-Renditen sind nicht mehr automatisch positiv für den Dollar. Werden sie als Ausdruck fiskalischer Risiken oder als Zeichen von Stress am Anleihemarkt interpretiert, kann sogar das Gegenteil eintreten. Die hohe Staatsverschuldung und die Suche nach neuen Käufern für amerikanische Staatsanleihen bleiben deshalb ein struktureller Belastungsfaktor für die US-Währung.


EZB schlägt einen klareren Kurs ein

Auf europäischer Seite wird die geldpolitische Richtung deutlicher. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat angesichts der weiterhin hohen Inflation eine weitere Straffung der Geldpolitik gefordert. Bei einem Leitzins von derzeit 2,25 Prozent sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig von allein zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehre. Insbesondere die höheren Energiepreise infolge des Nahostkonflikts erhöhen aus Sicht der Währungshüter die Inflationsrisiken.


Damit wächst die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts bei der nächsten EZB-Sitzung am 10. September in Berlin. Auch an den Terminmärkten wird mit einer weiteren Erhöhung gerechnet. Für den Euro ist diese vergleichsweise klare Kommunikation grundsätzlich unterstützend. Während die weitere geldpolitische Linie der Fed mit größeren Fragezeichen versehen ist, signalisiert die EZB zunehmend deutlich, dass sie bei anhaltendem Preisdruck zu weiteren Zinserhöhungen bereit ist.


Unterstützung erhält die Gemeinschaftswährung zudem von der Konjunkturseite. Das deutsche Ifo-Geschäftsklima stieg im August überraschend deutlich auf 88,8 Punkte und damit den vierten Monat in Folge. Besonders relevant für die metallverarbeitende Industrie ist die Verbesserung im Verarbeitenden Gewerbe. Gleichzeitig erreichten die Exporterwartungen der deutschen Unternehmen den höchsten Stand seit Anfang 2022. Vor allem die Nachfrage innerhalb der EU entwickelt sich positiv, während das Geschäft mit China weiterhin schwächelt.


Auch die deutsche Wirtschaftsleistung fiel zuletzt etwas besser aus als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte im zweiten Quartal um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Hauptstütze waren die Exporte, die um zwei Prozent zunahmen. Innerhalb der Metallindustrie bleibt das Bild allerdings zweigeteilt: Während sich die Exporterwartungen bei den Herstellern von Metallerzeugnissen aufhellen, rechnen die stärker grundstofforientierten Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung weiterhin mit rückläufigen Ausfuhren.


Jackson Hole: Warsh muss Orientierung liefern

Der nächste wichtige Impuls für den Devisenmarkt dürfte aus den USA kommen. Beim Notenbanktreffen in Jackson Hole richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh. Seine Aufgabe ist schwierig: Die Inflation liegt weiterhin oberhalb des Fed-Ziels, gleichzeitig zeigen sich Abkühlungstendenzen am Arbeitsmarkt und die hohen Renditen langlaufender Staatsanleihen erhöhen den Druck auf den amerikanischen Staatshaushalt.


Auch die jüngsten Inflationsdaten liefern keinen überzeugenden Grund zur Entwarnung. Der Kern-PCE-Deflator stieg im Juli um 0,25 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stagnierte der reale Konsum. Die Fed bewegt sich damit zwischen weiterhin zu hohem Preisdruck und zunehmenden konjunkturellen Risiken.


Hinzu kommt die schwierige Situation am Staatsanleihemarkt. Das US-Finanzministerium versucht mit verstärkten Rückkäufen insbesondere die Liquidität bei länger laufenden Papieren zu verbessern. Damit verschwimmt zumindest aus Sicht der Märkte zunehmend die Grenze zwischen klassischem Schuldenmanagement und Maßnahmen, die indirekt die Finanzierungsbedingungen beeinflussen.


Für den Dollar wird deshalb entscheidend sein, welchen Schwerpunkt Warsh setzt. Ein überraschend restriktiver Ton könnte die kurzfristigen US-Renditen und zunächst auch den Dollar stützen. Hinweise auf größere Sorgen um Wachstum und Arbeitsmarkt würden dagegen eher für eine schwächere US-Währung sprechen. Möglich ist allerdings auch, dass Warsh eine klare geldpolitische Festlegung vermeidet. In diesem Fall dürfte sich die derzeitige Seitwärtsbewegung beim EUR/USD zunächst fortsetzen.


Fazit: Seitwärtskurs mit Risiken auf der Dollar-Seite

Der EUR/USD bewegt sich derzeit unterhalb von 1,1700 US-Dollar leicht schwächer, insgesamt aber weiter seitwärts. Für den Euro sprechen die zunehmend klare Haltung der EZB und die Verbesserung wichtiger deutscher Konjunkturindikatoren. Der Dollar erhält dagegen kurzfristig Unterstützung, solange sich der US-Anleihemarkt beruhigt.


Für die metallverarbeitende Industrie bleibt jedoch insbesondere die Entwicklung der US-Staatsanleihen relevant. Der traditionelle Zusammenhang „höhere US-Renditen gleich stärkerer Dollar“ ist weniger verlässlich geworden. Werden steigende Renditen als Folge hoher Staatsverschuldung oder als Stresssignal interpretiert, können sie den Dollar sogar belasten. Entsprechend dürfte Jackson Hole darüber entscheiden, ob EUR/USD aus seiner derzeitigen Seitwärtsbewegung ausbrechen kann. Bis dahin spricht vieles dafür, dass sich das Währungspaar zunächst weiter im Bereich um 1,1700 orientiert.

EZB-Fixing (14:15 Uhr) (Dollar/Euro)