Marktberichte

KUPFER

Aktualisierung: 18.08.2026


Kurse vom 17.08.2026:

High  $    14.396,00 // Low  $   14.122,00 // Close  $     14.130,50

Resistance  $    14.500,00 //  Support  $   13.350,00


Bestände:

LME: 223.550t // SHFE: 69.731t // Comex: 737.353t


Kupfermarkt zwischen Rekordpreisen und physischer Knappheit

Der Kupfermarkt startet mit außergewöhnlicher Spannung in die neue Handelswoche. Während der LME-Dreimonatspreis mit rund 14.100 US-Dollar je Tonne bereits auf hohem Niveau notiert, spielt sich die eigentliche Dynamik derzeit am kurzen Ende der Terminkurve ab. Kassakupfer erreichte am Montag zeitweise 14.830 US-Dollar je Tonne und damit einen neuen Rekord. Damit weitete sich die Prämie des Kassapreises gegenüber dem Dreimonatskontrakt auf mehr als 550 US-Dollar je Tonne aus. Eine derart ausgeprägte Backwardation wurde zuletzt während der Marktverwerfungen von 2021 beobachtet.


Für die metallverarbeitende Industrie ergibt sich damit ein ungewöhnliches Bild: Nicht eine boomende Endnachfrage treibt den Markt, sondern die zunehmende Knappheit kurzfristig verfügbaren Metalls. Sinkende LME-Bestände, umfangreiche Lieferungen in die USA und Produktionsprobleme treffen auf einen Terminmarkt, an dem Marktteilnehmer ihre Shortpositionen vor dem August-Verfall eindecken oder weiterrollen müssen. Gleichzeitig liefert China weiterhin eher schwache konjunkturelle Nachfragesignale, was heute Morgen auf die Notierungen drückt.


LME-Engpass: Backwardation erreicht Extremniveau

Im Mittelpunkt steht derzeit die Versorgungslage an der London Metal Exchange. Die Bestände in den LME-Lagerhäusern haben sich seit Mai nahezu halbiert und liegen bei weniger als 210.000 Tonnen. Besonders relevant ist dabei, dass rund die Hälfte der verbleibenden Bestände bereits zur Auslieferung vorgemerkt ist. Die tatsächlich frei verfügbare Metallmenge ist damit erheblich geringer als es der nominale Lagerbestand vermuten lässt.


Das Ergebnis zeigt sich unmittelbar in der Terminkurve. Bereits am Freitag weitete sich der August/September-Spread auf rund 350 US-Dollar je Tonne aus. Am Montag erreichte die Backwardation zwischen Kassa- und Dreimonatskontrakt zeitweise mehr als 550 US-Dollar. Marktteilnehmer mit Shortpositionen müssen vor dem monatlichen LME-Abrechnungstermin am Mittwoch entweder Metall zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen beschaffen oder ihre Positionen in spätere Laufzeiten rollen. Beides erhöht die Nachfrage nach kurzfristigen Kontrakten.


Eine Entspannung über zusätzliche Lieferungen ist zwar grundsätzlich möglich, bislang aber nur begrenzt sichtbar. Am Freitag wurden 3.700 Tonnen Kupfer in LME-Lagerhäuser eingeliefert, während 850 Tonnen abflossen. Gleichzeitig ist das Arbitragefenster zwischen Shanghai und London für Exporte geöffnet, allerdings vor allem für den unmittelbar anstehenden August-Termin. Größere physische Zuflüsse dürften deshalb kurzfristig schwierig bleiben.


NACHTRAG: Heute Morgen wurde in die LME-Lagerhäuser über 15.000 Tonnen eingeliefert! 


USA ziehen Metall an – Angebotsrisiken verschärfen die Lage

Ein wesentlicher Grund für die Knappheit in London liegt auf der anderen Seite des Atlantiks. Seit US-Präsident Donald Trump mögliche Importzölle auf raffiniertes Kupfer ins Spiel gebracht hat, wurden erhebliche Metallmengen in die USA verlagert. Die COMEX-Lagerbestände sind inzwischen auf mehr als 730.000 Tonnen gestiegen und damit gegenüber dem Niveau vor Beginn der Zoll-Diskussion um ein Vielfaches gewachsen. Gleichzeitig notiert der US-Markt weiterhin mit deutlicher Prämie gegenüber der LME. Diese Preisdifferenz hat das Metall förmlich aus anderen Regionen angesaugt. Wenigstens zuletzt schien sich das Arbitragefenster wieder leicht zu schließen; Septemberkupfer an der LME wurde über den Comex-Notierungen gehandelt.


Zur regionalen Verschiebung der Lagerbestände kommen reale Produktionsrisiken. In Indonesien steht die Gresik-Hütte nach einem Ofenschaden seit dem 8. August still. Die Anlage verfügt über eine jährliche Kathodenproduktion von rund 342.000 Tonnen. Auch aus Chile kommen keine Entspannungssignale. Antofagasta hat seine Produktionsprognose reduziert, während Codelcos Ausbauprojekt Andes Norte in El Teniente erst 2029 die Produktion aufnehmen soll. Die chilenische Kupferproduktion bleibt damit deutlich unter dem politischen Ziel von sechs Millionen Tonnen jährlich.


Hinzu kommen Sorgen um die Rohstoffversorgung chinesischer Hütten und die hohe Sensibilität des Marktes gegenüber möglichen Produktionsausfällen in der Demokratischen Republik Kongo. In einem Umfeld niedriger frei verfügbarer Lagerbestände reichen inzwischen vergleichsweise kleine Störungen aus, um erhebliche Preisreaktionen auszulösen.


China bleibt die Schwachstelle auf der Nachfrageseite

Die Kursentwicklung an der LME darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass vom weltweit größten Kupferverbraucher derzeit kaum konjunktureller Rückenwind kommt. Chinas Juli-Daten enttäuschten auf breiter Front. Die Waren-Einzelhandelsumsätze gingen gegenüber dem Vormonat zurück, die Anlageinvestitionen schrumpften deutlich und auch die Industrieproduktion verlor an Dynamik. Besonders schwach bleiben Immobilien und klassische Infrastrukturinvestitionen.


Auch die Kreditdaten zeigen die Zurückhaltung des privaten Sektors. Zwar stieg das gesamte Finanzierungsvolumen im Juli gegenüber dem Vorjahr, der größte Teil der zusätzlichen Finanzierung entfiel jedoch auf Staatsanleihen. Die Nettokreditvergabe der Banken war dagegen negativ – ein bislang äußerst seltenes Ereignis. Gleichzeitig fiel die Rendite zehnjähriger chinesischer Staatsanleihen auf 1,68 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwölf Monaten.


Die schwächere Nachfrage ist inzwischen auch am physischen Kupfermarkt erkennbar. Die Yangshan-Prämie sank von 115 US-Dollar je Tonne Ende Juli auf zuletzt rund 90 US-Dollar. Chinesische Käufer reagieren auf das hohe Kursniveau zunehmend zurückhaltend und beschaffen Material eher kurzfristig nach Bedarf. Gleichzeitig sind die SHFE-Bestände seit Mitte März allerdings um mehr als 80 Prozent auf knapp 70.000 Tonnen gefallen. China liefert damit ein widersprüchliches Bild: schwache konjunkturelle Nachfrage auf der einen, vergleichsweise niedrige Metallbestände und eine angespannte Rohstoffversorgung auf der anderen Seite.


Fazit: Fundamentale Stärke trifft auf kurzfristige Überhitzung

Der Kupfermarkt wird derzeit weniger von einer starken Endnachfrage als von der Verteilung des verfügbaren Metalls bestimmt. Die US-Arbitrage hat große Mengen aus dem LME-System gezogen, gleichzeitig treffen niedrige Lagerbestände auf Produktionsprobleme und den bevorstehenden August-Verfall. Die extreme Backwardation ist deshalb vor allem Ausdruck eines akuten Liquiditäts- und Verfügbarkeitsengpasses am kurzen Ende der LME-Kurve.


Für die kommenden Tage dürfte entscheidend sein, ob sich die Situation nach dem LME-Abrechnungstermin am Mittwoch entspannt. Zusätzliche Lieferungen in die Lagerhäuser und das Rollen der verbliebenen Shortpositionen könnten den Druck auf die Kassapreise reduzieren. Angesichts des inzwischen erreichten Preisniveaus ist deshalb mit hoher Volatilität und zwischenzeitlichen Gewinnmitnahmen zu rechnen.


Über diesen kurzfristigen Squeeze hinaus bleibt das fundamentale Bild jedoch unterstützend. Niedrige Lagerbestände außerhalb der USA, Produktionsrisiken in Indonesien und Chile sowie die begrenzte Reaktionsfähigkeit des Minenangebots sprechen gegen eine nachhaltige Entspannung. China bildet mit seiner schwachen Binnenkonjunktur weiterhin das wichtigste Gegengewicht. Solange sich dort keine deutliche Nachfragebelebung zeigt, dürfte der Kupfermarkt zwischen physischer Knappheit und konjunktureller Zurückhaltung hin- und hergerissen bleiben. Die aktuell extremen Spreads zeigen jedoch, wie empfindlich der Markt inzwischen auf jede zusätzliche Angebotsstörung reagiert.

Kupfer (in US Dollar/Tonne)

EURO/DOLLAR

Kurse vom 17.08.2026:

High 1,1614 US-Dollar // Low 1,1570 US-Dollar

Resistance 1,2000 // Support 1,0176


Dollar zwischen Arbeitsmarkt, Zinserwartungen und Nahostrisiken

Die Reaktionen am Devisenmarkt haben in der vergangenen Woche ein bemerkenswertes Bild abgegeben. Obwohl Fed-Chef Kevin Warsh zuletzt das Inflationsziel deutlich in den Vordergrund rückte und damit dem zweiten Mandat der US-Notenbank – der Vollbeschäftigung – zumindest kommunikativ weniger Gewicht verlieh, reagierte der US-Dollar stärker auf neue Arbeitsmarktdaten als auf die Inflationszahlen. Der Euro konnte davon profitieren und stieg zeitweise über 1,16000 US-Dollar auf den höchsten Stand seit gut zwei Monaten. Gleichzeitig sorgt der weiterhin ungelöste Konflikt mit dem Iran für erhebliche Unsicherheit. Für die Devisenmärkte entsteht damit ein Spannungsfeld aus nachlassenden US-Zinserwartungen auf der einen und möglichen neuen Inflationsimpulsen durch die angespannten Energiemärkte auf der anderen Seite.


US-Arbeitsmarkt: Gesund an der Oberfläche, träge darunter

Der Arbeitsmarkt bleibt ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung des Dollars. Auffällig war zunächst, dass der jüngste US-Arbeitsmarktbericht eine deutlich stärkere Reaktion im EUR/USD auslöste als die wenige Tage später veröffentlichten Inflationszahlen. Zwar war die Überraschung beim Arbeitsmarkt auch wesentlich größer, während die Inflationsdaten insgesamt weitgehend den Erwartungen entsprachen. Dennoch zeigt die Marktreaktion, dass Anleger neben der Preisentwicklung weiterhin genau auf Beschäftigung und Löhne achten, auch weil sie an möglichen Zweitrundeneffekten interessiert sind.


Auf den ersten Blick präsentiert sich der US-Arbeitsmarkt nach wie vor robust. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung lagen zuletzt bei lediglich 209.000. Der gleitende Vierwochendurchschnitt fiel erneut unter die Marke von 200.000 – erst zum vierten Mal innerhalb der vergangenen fünf Jahre.


Unter der Oberfläche fällt das Bild jedoch weniger dynamisch aus. Die JOLTS-Daten zeigen bei Kündigungen, Entlassungen und Neueinstellungen zwar zuletzt leichte Verbesserungen, alle drei Größen bewegen sich gemessen an der niedrigen Arbeitslosenquote aber weiterhin auf ungewöhnlich schwachem Niveau. In den USA hat sich dafür der Begriff des „low-hire, low-fire“-Arbeitsmarktes etabliert: Unternehmen stellen vergleichsweise wenige neue Mitarbeiter ein, halten gleichzeitig aber an ihrer bestehenden Belegschaft fest. Die Arbeitslosigkeit bleibt dadurch niedrig, während die Durchlässigkeit des Arbeitsmarktes abnimmt.


Bislang schlägt sich diese Entwicklung nur begrenzt in den Löhnen nieder. Die durchschnittlichen Stundenlöhne lagen zuletzt noch 3,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auf annualisierter Dreimonatsbasis hat sich der Anstieg allerdings auf etwa 2,3 Prozent abgeschwächt. Sollte sich dieser Trend bestätigen, könnte der Lohndruck allmählich nachlassen und damit mittelfristig auch den Inflationsdruck reduzieren. Für die Fed würde dies den Zwang zu weiteren Zinserhöhungen verringern. Noch ist die Datenlage dafür allerdings nicht eindeutig genug.


Zinserwartungen drehen – der Dollar verliert Unterstützung

Zusätzlichen Gegenwind erhielt der Dollar durch schwache US-Konjunkturdaten. Die Einzelhandelsumsätze gingen im Monatsvergleich um 0,6 Prozent zurück und verstärkten damit Zweifel an der Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft. Der Euro konnte im Wochenverlauf entsprechend zulegen und die Marke von 1,1600 US-Dollar gestern zeitweise überschreiten.


Entscheidender als einzelne Konjunkturdaten ist derzeit jedoch die Bewegung der Zinserwartungen. Seit der vergangenen Fed-Sitzung hat der Markt seine Erwartungen an die amerikanische Geldpolitik sukzessive zurückgenommen. Bei anderen großen Zentralbanken der G10 ist eine vergleichbare Entwicklung bislang nicht zu beobachten.


Damit könnte sich ein wichtiger Faktor abschwächen, der den Dollar in den vergangenen Monaten gestützt hat. Ende vergangenen Jahres hatte der Markt für die Fed noch Zinssenkungen von rund 60 Basispunkten eingepreist, während für die übrigen betrachteten G10-Zentralbanken im Durchschnitt bereits leichte Zinserhöhungen erwartet wurden. Diese Differenz schloss sich anschließend immer weiter. Insbesondere seit Beginn des Iran-Konflikts wurden die Erwartungen an die amerikanischen Leitzinsen deutlich nach oben korrigiert. Zeitweise rechnete der Markt sogar mit stärkeren Zinserhöhungen in den USA als in anderen Industrieländern.


Genau dieser relative Zinsvorteil hat den Dollar vor einer stärkeren Abwertung bewahrt. Setzt sich jedoch die Entwicklung der vergangenen zwei Wochen fort und werden die Fed-Erwartungen weiter zurückgenommen, dürfte diese Unterstützung nachlassen. Der Dollar wäre dann erneut anfälliger für Abwertungsdruck.


Nahostkonflikt bleibt ein schwer kalkulierbarer Faktor

Gegen eine geradlinige Dollar-Abwertung spricht allerdings die weiterhin angespannte geopolitische Lage. US-Präsident Donald Trump äußerte zuletzt Zweifel daran, dass der Iran einem aus seiner Sicht akzeptablen Abkommen zustimmen werde. Zugleich betonte er erneut, dass die USA verhindern wollten, dass der Iran Atomwaffen besitzt.


Parallel bemüht sich die Türkei um eine diplomatische Lösung. Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte Trump in einem Telefonat zu direkten Gesprächen mit Teheran auf. Ankara drängt auf eine Fortsetzung der Verhandlungen und ein Ende des Krieges. Gleichzeitig bleiben die Signale aus dem Iran konfrontativ. Ein hochrangiger iranischer Vertreter kündigte zuletzt den Übergang zu einer „vollständig offensiven“ militärischen Haltung an, nachdem die Gespräche über ein dauerhaftes Ende des Konflikts ins Stocken geraten waren.


Ein schnelles Ende der Spannungen ist damit nicht absehbar. Für die Devisenmärkte ist vor allem der Einfluss auf Energiepreise und Inflation entscheidend. Bleiben Öl und andere Energieträger aufgrund geopolitischer Risiken teuer oder steigen sie weiter, könnten sich die Inflationserwartungen erneut erhöhen. Damit würde zugleich der Spielraum der Zentralbanken für eine lockerere Geldpolitik eingeschränkt.


Gerade darin liegt momentan ein erhebliches Prognoserisiko: Schwächere Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten sprechen tendenziell für niedrigere US-Zinsen und einen schwächeren Dollar. Ein erneuter Energiepreisschub könnte dagegen den Inflationsdruck erhöhen und die Fed länger auf einem restriktiven Kurs halten. Auch die EZB wird diese Entwicklung genau verfolgen. Beide Zentralbanken betonen weiterhin den datenabhängigen Charakter ihrer Geldpolitik.


Fazit: Der Zinsvorteil des Dollars beginnt zu bröckeln

Für den Devisenmarkt zeichnet sich damit keine eindeutige Richtung ab. Die jüngsten Bewegungen sprechen jedoch dafür, dass der bislang starke geldpolitische Rückenwind für den Dollar nachlässt. Schwächere Einzelhandelsumsätze, erste Anzeichen einer Abkühlung unter der Oberfläche des US-Arbeitsmarktes und sinkende Fed-Zinserwartungen haben den Euro zuletzt unterstützt.


Für die metallverarbeitende Industrie ist insbesondere die weitere Entwicklung des EUR/USD relevant, da ein stärkerer Euro den in Dollar fakturierten Rohstoffeinkauf für europäische Unternehmen grundsätzlich verbilligt. Dieser Wechselkurseffekt kann allerdings durch steigende Metall- und Energiepreise schnell überlagert werden.


Entscheidend wird deshalb sein, ob sich die schwächere Dynamik am US-Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten tatsächlich in moderateren Lohn- und Inflationsraten niederschlägt. Dann dürfte der Spielraum der Fed wachsen und der Dollar weiter unter Druck geraten. Der Nahostkonflikt bleibt jedoch die große Unbekannte: Anhaltend hohe Energiepreise könnten die Inflations- und Zinserwartungen jederzeit wieder nach oben treiben. Für EUR/USD dürfte damit vorerst ein Wechselspiel zwischen nachlassenden US-Zinserwartungen und geopolitisch bedingten Inflationsrisiken bestimmend bleiben.

EZB-Fixing (14:15 Uhr) (Dollar/Euro)